Die Geburtsstunde des Heavy Metal

Als sich die englische Band Black Sabbath im Jahr 1970 anschickte die Musikwelt zu verändern, wurde sie noch ausgelacht. Heute lacht niemand mehr. Ozzy Osbourne und seine Mitstreiter haben ihren fixen Platz in der Rock’n´Roll Hall of Fame längst erobert. Dieses Jahr feiert ihr Debüt-Album „Paranoid“ seinen 50. Geburtstag. Die Platte gilt bei Fans und Kritikern als die Geburtsstunde des Heavy Metal und wird als eine der besten Rock-Platten überhaupt verehrt.

Der dritte Titel war perfekt

Dabei war vieles von Beginn an ein Kompromiss. Das beginnt bereits beim Plattencover, das einen Typen mit Schwert und Helm zeigt. Der Zusammenhang mit Paranoia erschließt sich nicht und das ist kein Wunder, schließlich sollte „Paranoid“ ursprünglich „War Pigs“ heißen und wurde erst in letzter Minute umbenannt. Selbst dieser Titel war nicht das Original, den „Walpurgis“ gefiel der Plattenfirma auch nicht. Bei „War Pigs“ befürchtete man Assoziationen mit dem Vietnamkrieg und so wurde schließlich „Paranoid“ ausgewählt.

So wurde aus einem Schnellschuss ein Klassiker

Geezer Butler, der Bassist von Black Sabbath mochte den Song „Paranoid“ ursprünglich gar nicht. Er erinnerte ihn zu sehr an Led Zeppelin. Die Plattenfirma war anderer Meinung. Sie koppelte „Paranoid“ als erste Single aus und der Rest ist längst Musikgeschichte. Dabei war die Nummer ein einziges Missverständnis. Wie viele der ganz großen Hits entstand auch dieser so nebenbei. Gitarrist Tony Iommi fiel das prägnante Riff beim Essen ein, Butler schrieb auf die Schnelle einen Text dazu und schon war der Heavy Metal-Klassiker fertiggestellt. Das hohe Tempo war gefragt, schließlich waren die acht Songs des Albums schon fertig und Black Sabbath benötigten noch einen Song, um eine Lücke zu füllen.

Die Geburtsstunde des Heavy Metal
Die Geburtsstunde des Heavy Metal

Paranoia überall

Das Debüt-Album von Black Sabbath musste sich seinen heutigen Status erst langsam erarbeiten. Zwar erhielt die Platte relativ rasch nach dem Erscheinen eine goldene Schallplatte verliehen, doch bis zur Auszeichnung in Platin sollte es unglaubliche 15 Jahre dauern. In Finnland, einem Staat in dem die zahlreichen Spielarten des Heavy Metal intensiv gepflegt werden, ist es Kult, dass die Fans bei Konzerten von der Band verlangen „Paranoid“ zu spielen. Beim 50-jährigen Thronjubiläum der englischen Königin war dieser Wunsch wohl kein Problem. Ozzy Osbourne und Tony Iommy holten sich Phil Collins und Pino Palladino von The Who auf die Bühne und gaben ihren Klassiker zum Besten. Der Einfluss von „Paranoid“ reichte bis tief in die deutschsprachige Schlagerszene hinein. Das Duo Cindy und Bert nahm im Jahr 1971 eine deutsche Version des Songs auf und landete mit „Der Hund von Baskerville“ ebenfalls einen Erfolg. Im Jahr 1999 coverte die Band Yeti Girls wiederum diese deutsche Coverversion und veröffentlichte sie auf ihrem Album „Spring“.

Seit seiner „Geburt“ im Jahr 1970 hat sich Heavy Metal in viele verschiedene Richtungen entwickelt. Zahlreiche Bands folgten dem Beispiel von Black Sabbath und sorgten dafür, dass aus einer Nischen-Musikrichtung ein Stil wurde, der die Welt eroberte. Black Sabbath sind seit einiger Zeit Geschichte, ihr Frontman Ozzy Osbourne hat jedoch gerade erst wieder ein Solo-Album veröffentlicht. Der „Madman“ denkt offenbar noch nicht daran in Rente zu gehen.