Klassiker neu entdeckt: Deep Purple – In Rock

Die englische Rockband Deep Purple hatte 1970 bereits drei Alben veröffentlicht und erste Erfolge gefeiert. Ihr Stil mit einer Mischung aus einer dominanten Hammondorgel, treibenden Rhythmus und einprägsamen Gitarrenriffs ließ sie aus der Masse der aufkommenden Hardrock Bands herausstechen.

Doch der ganz große Erfolg sollte erst noch kommen. Voraussetzung dafür war eine Umbesetzung der Bandmitglieder. Erst die legendäre Mark II Besetzung machte aus Deep Purple eine Legende. Mit Ian Gillan am Mikrofon, Ritchie Blackmore an der Gitarre, Jon Lord an der Hammondorgel, Roger Glover am Bass und schließlich Ian Paice am Schlagzeug stiegen Deep Purple in den Rock-Olymp auf. Ihr viertes Album „In Rock“ begründete im Jahr 1970 ihren jahrzehntelangen Ruhm und ist bis heute aus keiner Heavy-Metal-Sammlung mehr wegzudenken.

Ziel der Aufnahmen war es ursprünglich die rohe Energie der Live-Auftritte auch auf einer Platte der Band zu verewigen. Der Erfolg von Led Zeppelin und Black Sabbath hatte gezeigt, dass der Hunger nach lauter und druckvoller Musik groß war und ein Massenpublikum ansprach. Dementsprechend legte die Band auch gleich beim Opener „Speed King“ dem Titel folgend los. Der heutige Klassiker gab die Richtung vor, der Rest des Albums folgte auf dem Fuße. Ian Gillians hymnischer Gesang in Kombination mit einem entfesselt aufspielenden Ritchie Blackmore, eingebettet im Klangbett von Jon Lord und der stoischen Rhythmus-Gruppe an Bass und Schlagzeug schufen den klassischen Sound von Deep Purple.

„Child in Time“ ist bis heute einzigartig

„Child in Time“ ist bis heute einzigartig
„Child in Time“ ist bis heute einzigartig

Mit „Bloodsucker“ folgte gleich das nächste Highlight, bevor sich die Band zu einem der besten Songs der Rockgeschichte aufschwang. „Child in Time“ ist für sich betrachtet ein eigener Kosmos. Von zärtlich still bis laut kreischend demonstriert Ian Gillan hier auf einer Länge von mehr als zehn Minuten die volle Bandbreite seines gewaltigen Organs. Gitarre und Orgel duellieren sich durchgehend, um anschließend wieder zu fusionieren. „Flight Of The Rat“ kommt ein wenig minimalistisch daher und wird von den zahlreichen Soli dominiert. „Into the Fire“ erweist den großen Konkurrenten von Black Sabbath Referenz, während „Living Wreck“ und „Hard Lovin´ Man“ zum Abschluss von „Deep Purple in Rock“ den Rock´n´Roll wieder hochleben lassen.

Was der Platte damals fehlte, war ein Single-Hit. Den Zweck erfüllte der Song „Black Night“, der während der Sessions aufgenommen worden war, es aber nicht mehr auf die LP schaffte. Der Lauf von Deep Purple hatte mit „In Rock“ seinen Anfang genommen, viele weitere musikalische Höhepunkte sollten noch folgen. Die große Karriere der Band, die von unzähligen Streitereien und Umbesetzungen geprägt war, nahm hier ihren Anfang. „Deep Purple in Rock“ klingt bis heute wie aus einem Guss und markiert für viele Musikkritiker die Geburt von Heavy Metal. Der Erfolg war durchschlagend. In ihrer Heimat Großbritannien schafften es Deep Purple mit dem Album auf Platz zwei der Charts, in zahlreichen Ländern knackte „In Rock“ die Top 10. In den USA blieb der Erfolg überschaubar. Trotz einer goldenen Schallplatte kam das Album in den Charts nicht über Platz 143 hinaus. Zum 25-Jahre-Jubiläum 1995 wurde das Werk noch einmal veröffentlicht und um zahlreiche Bonustracks, darunter auch „Black Night“, ergänzt.