Klassiker neu entdeckt: Metallica – The Black Album

Im Jahr 1991 waren Metallica längst eine der größten Heavy Metal-Bands der Welt. Sie hatten mit „Master of Puppets“ und „And Justice for All” zeitlose Klassiker geschaffen, doch auf das, was danach kommen sollte, war in der Szene kaum jemand vorbereitet. Als sich die ersten Gerüchte verbreiteten, dass ausgerechnet Bob Rock das neue Album der Band produzieren sollte, ernteten Metallica nur ungläubiges Kopfschütteln. Schließlich war der Produzent durch seine Arbeit mit Bon Jovi und Mötley Crüe berühmt geworden. Doch allen Unkenrufen zum Trotz gelang der ungewöhnlichen Kombination aus Metallica und Bob Rock ein Meilenstein des Heavy Metal.

Kurz bevor die neue Musikrichtung Grunge die Welt erobern sollte, brachten Metallica 1991 ihr selbst-betiteltes Album auf den Markt. „Metallica“ erhielt ob des schlichten schwarzen Covers mit Schriftzug und Schlange schnell den inoffiziellen Titel „Black Album“. Die Platte stellte einen radikalen Wendepunkt in der musikalischen Karriere der Band dar. Die Songs wurden deutlich kürzer, eingängiger und damit massentauglicher.

Von der Nische zu Megastars

Bereits die erste Single „Enter Sandman“ stellte dies nachdrücklich unter Beweise. Plötzlich fanden sich die Könige des Trash-Metal weltweit in den Chart wieder. Als das „Black Album“ in weiterer Folge auf den Markt kam, waren die ersten Reaktionen gemischt. Puristen sahen einen Ausverkauf und den Versuch der Band den Massenmarkt zu bedienen. Die Musikkritiker hingegen nahmen die neue Platte überwiegend positiv auf und erkannten einen wesentlichen Fortschritt in der Entwicklung. Der Erfolg spülte jedoch alle Bedenken hinweg. „Metallica“ wurde zum erfolgreichsten Metal-Album aller Zeiten, verkaufte sich bis heute rund 28 Millionen Mal und brachte fünf Singles an den Start. Zum Abschluss kassierte die Band 1992 auch noch den Grammy für die „Best Metal Performance“. Die folgende Tournee führt die Band rund um den Erdball und dauerte insgesamt zwei Jahre. „Enter Sandman“ und „Sad but True“ gehören bis heute zu den am meisten live gespielten Songs von Metallica. Sie sollen bereits mehr als 1.000 Mal dargeboten worden sein.

Die Geschichte gab Metallica recht

Die Geschichte gab Metallica recht
Die Geschichte gab Metallica recht

Rückblickend betrachtet sieht der harte Kern der Fans die Platte immer noch im Schatten der Meisterwerke „Master of Puppets“ und „And Justice for All“ stehen. Das „Black Album“ pushte Metallica zu einer weltweit erfolgreichen Supergroup, die seither im Mittelpunkt des Interesses steht. Sie hat das Metal-Genre so stark geprägt, wie kaum eine andere Gruppe vor ihr. Die Balladen „Nothing Else Matters“ und „The Unforgiven“ entwickelten sich zu Riesenhits und werden heute sogar bei Hochzeiten gerne gespielt. Diese Kurskorrektur vor fast 30 Jahren hat sich für Metallica bezahlt gemacht. Sie erfolgte zum perfekten Zeitpunkt. Wenige Monate später sollte Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ die Musikwelt auf den Kopf stellen. Grunge war angesagt, Metal hatte plötzlich einen schweren Stand. Doch zu diesem Zeitpunkt hatten sich Metallica bereits einen Sonderstatus erarbeitet, dem auch der neue Trend nichts mehr anhaben konnte. Das „Black Album“ hat sich seinen Platz im Rock-Olymp gesichert. Der Bastard aus Hard Rock und Metal ist gut gealtert und gilt bis heute als ein Meilenstein der Musikgeschichte.